Sonntag, 1. Januar 2012
Für meine Freunde habe ich ein Foto gebastelt und wünsche allen auf diesem Weg einen schönen langen unterhaltsamen Abend
Mittwoch, 21. Dezember 2011
Mein Roman als eBook bei amazon.de
Der
Klappentext
Hanna
Elisa fliegt gemeinsam mit ihrem Mann in den Mittleren Osten, um ihre Tochter
und das neugeborene Enkelkind zu besuchen. Auf dem langen Flug führen die
Gedanken sie in eine Zeit, die sie nur aus Erzählungen ihres Vaters und ihres
Großvaters kennt, verfangen sich in den unruhigen Zeiten ihres eigenen Beginns.
Es
begann alles auf einer Hochzeit, als die fröhliche Lilli dem Marinesoldaten
Hardy begegnete, der einst ausgesandt wurde die Welt zu erobern. Der ehemalige
U-Boot Funker Hardy, Sohn eines Bergarbeiters oft nur knapp dem Tod auf den
Weltmeeren entronnen und Lilli, ein unbekümmertes rheinisches Mädchen, planten
voller Zuversicht ihre gemeinsame Zukunft. Tatkraft und Ideenreichtum,
Optimismus und Humor prägten ihre Taten, die sie auch die schwierigsten Zeiten
überstehen lässt. Hanna Elisa erlebte zwei Welten. Da war Lillis Familie,
angeführt von Jakob, dessen hohes Ansehen im Dorf ihn zum Berater der
Unsicheren machte. Von ihm lernte Hanna Elisa schon früh, sich einzumischen und
die streng katholische Großmutter, die dem Kind nicht erlaubte am Morgen vor
dem Beten zu singen. Im Ruhrgebiet lebten Hardys Eltern, unpolitisch und nicht
nur zu Jakobs Entsetzen waren sie einst Befürworter Hitlers Politik. Erst als
die Auswirkung des Krieges auch ihre Familie erreichte entstanden Zweifel. Hier erlebte Hanna Elisa Urlaubstage ohne
Fesseln, Zusammentreffen der Nachbarschaft auf der Bank unter dem Fliederbaum,
gemeinsames Musizieren, Toleranz - aber auch das Auseinandergehen der
langjährigen Gemeinschaften, als der Fernseher seinen Siegeszug antrat.
Prolog
Kurt
liebte seine Arbeit als Schriftsetzer. Tatsächlich arbeitete er seit dem Beginn
der Weltwirtschaftskrise nicht mehr in seinem Beruf, und die begann mit dem Tag
seines Lehrabschlusses. Aber was bedeutete das schon. Die Überzeugung, dass
nach Beendigung dieses grässlichen Krieges, und wenn er die Zeichen richtig
deutete, musste er bald zu Ende sein, wieder mehr Zeitungen gedruckt und Bücher
verlegt würden, ließ ihn hoffnungsvoll in die Zukunft blicken. Dann würde er
seine Arbeit in dem Chemiewerk aufgeben, in dem er seit acht Jahren beschäftigt
war, das Ruhrgebiet verlassen, an den Niederrhein zurückkehren, wo seine
Pfälzer Vorfahren sich zu Zeiten Friedrich des Großen ansiedelten und zeigen,
was er gelernt hatte.
Obwohl er immer wieder feststellen musste,
seine Ausbildung, während der er von seinem Meister zur Genauigkeit, Sauberkeit
und Ordnung angehalten wurde, erleichterten ihm bei seinen verantwortungsvollen
Aufgaben in dem Chemiebetrieb, in den er dienstverpflichtet war, einige Dinge
erheblich. Nach elf Jahren Arbeitslosigkeit freute er sich über die Arbeit, die
ihn 1936 in eine Stadt ins Ruhrgebiet führte, die auf der grünen Wiese aus dem
Boden gestampft wurde und er genoss das neue Leben, wenn dem neuen Zuhause auch
der Charme und die Beschaulichkeit seiner mittelalterlichen Heimatstadt
fehlten. Denn er erhielt nicht nur Arbeit. Nachdem er sich selbst verriet,
seine Nähe zu den Sozialdemokraten verleugnete und in die NSDAP eintrat, bekam
er schon nach kurzer Zeit in der am Rande der Fabrik neu entstandenen Siedlung
eine kleine Wohnung zugeteilt und er konnte endlich nach acht Verlobungsjahren
heiraten. Aber warum die Obrigkeit
gerade ihn ausgesucht hatte, im Namen des Führers fünfzehn schwangere Frauen
auf den Weg durch das Ruhrgebiet bis in
die Abgeschiedenheit des Teutoburger Waldes zu begleiten, um beschützt vom
Schwert des Hermanndenkmals, das
siegessicher zu den Sternen zeigte, in Ruhe die Geburt ihrer Kinder
abzuwarten, war ihm rätselhaft. Zu dieser Aufgabe fühlte er sich nicht berufen,
auch wenn seine eigene Frau unter den Schwangeren weilte.
Äußerlich
ruhig, fast gleichmütig standen die Frauen klaglos am Bahnsteig in
Recklinghausen und fügten sich in ihr Schicksal. Aus allen Himmelsrichtungen
der von Luftangriffen bedrohter Städte angereist, vertrauten sie sich wortlos
seiner Obhut an und warteten mit ihm auf den Zug, der sie erst einmal nach
Dortmund bringen sollte. Von dort aus ging die Fahrt weiter nach Hamm, von Hamm
über Altenbeken in den Teutoburger Wald. Es lag in der Hand der Feinde, wie
schnell sie ihr Ziel erreichen würden. Lief alles nach Plan, würden sie die
regelmäßig von Bomben heimgesuchten Industriegebiete Westfalens bei Einbruch
der Dunkelheit weit hinter sich gelassen haben und führe kein Militärtransport
über ihre Strecke, dem sie weichen müssten, wären sie noch vor Anbruch des
nächsten Tages am Ziel.
Indem Kurt skeptisch die unterschiedlich
dicken Bäuche der Schwangeren betrachtete, betete er inständig, dass sich auch
nicht eine von ihnen verrechnet hätte und wirklich alle erst im sechsten oder
siebenten Schwangerschaftsmonat wären und keine von ihnen unter seiner Obhut
ihr Kind gebären würde.
Seit sechzehn Jahren kannte er Hetti und in
mancherlei Situationen verwirrte ihr Verhalten ihn immer noch. Seine temperamentvolle
Frau nahm gelassen alle Unwegsamkeit auf sich, die die Schwangerschaft in
dieser unruhigen Zeit und in ihrem Alter mit sich brachte. Er war schon seit
Jahren davon überzeugt, ihre Ehe blieb kinderlos und es gefiel ihm, dass Hettis
Aufmerksamkeit ihm allein gehörte und dann, als die Luftangriffe im Ruhrgebiet
vermehrt geflogen wurden, Tag und Nacht auch ihre Stadt zum Ziel nahmen, sie
fast jede Nacht im Luftschutzkeller verbrachten und er sich nicht darauf
verlassen konnte, dass sie auch in den Zeiten, in denen er seinen Dienst
versah, rechtzeitig in den Bunker lief und den Beutel mit allen wichtigen
Papieren, den er ihr immer zurecht legte, mitnahm, teilte Hetti ihm in einer
der kostbaren ruhigen Stunden glückstrahlend mit, sie sei schwanger.
Jetzt würde sie fortgehen. Ärger und
Aufregung über Stoffreste und Garnrollen, die trotz seiner ständig zum Ausdruck
gebrachter Missbilligung auf dem Tisch und auf den Stühlen herum lagen blieben
ihm erspart. Wenn er nach seiner zwölfstündigen Nachtschicht müde und ausgelaugt in seine Wohnung käme,
würde Ordnung herrschen.
Zorn
stieg ihn ihm auf, wenn er in Hettis entspanntes ruhevolles, ja, glückliches
Gesicht sah. Die Trennung schien sie nicht zu berühren. Alles drehte sich nur
um ihr ungeborenes Kind, von dem sie überzeugt war, dass es ein Junge sei und
sie ihn Simon nennen wollte. Er protestierte. In seiner Familie hießen die
Männer August, Heinz und Fritz – aber Simon? Wie kam sie auf diese ausgefallene
Idee? Und warum betonte sie den Namen so eigenartig? Sollte wohl französisch
klingen. Auf seine Frage zuckte sie nur mit den Schultern und sah ihn verträumt
an.
„Du
wirst schon sehen, der Name wird zu ihm passen!“ Was sollte er mit dieser
Antwort anfangen. Unwillig drehte er sich um und sah erleichtert, der Zug fuhr
im Bahnhof ein.
Der
Führer besaß ein Herz für Kinder, verehrte ihre Mütter und hatte dafür gesorgt,
dass es ihnen in der Fremde an nichts fehlen würde. Schließlich wollte er die
Welt verändern und würde zum Erlangen
seiner Ziele auch in zwanzig Jahren noch treu ergebene Kämpfer benötigen.
Bereits beim Antritt der Fahrt erkannten die
Frauen die ihnen entgegengebrachte Achtung und Fürsorge. Auf dem Bahnsteig
standen Helfer bereit, die ihnen beim Einsteigen in den reservierten Waggon
behilflich waren und das Gepäck verstauten. Nachdem sie auf dem Bahnsteig
bereits ihre Meinung über die Reisegefährtinnen gebildet hatten, bei der einen
Sympathie und der anderen Abneigung empfanden, versuchte jede ihren Platz so
einzunehmen, dass sie für die Reisezeit eine angenehme Gesprächspartnerin an
ihrer Seite haben würde und es dauerte nur einen kurzen Augenblick, bis alle
ihre Plätze eingenommen hatten. Nur Kurt lief noch hektisch den Bahnsteig
hinauf und hinab, „Ist alles eingepackt. Hat keine von euch etwas vergessen?“
Als er sich vergewissert hatte, dass weder
Gepäckstücke noch Schwangere auf dem Bahnsteig standen, lief er durch den
Waggon, zählte die ihm von seinem verhassten Führer anvertrauten Frauen,
stellte befreit fest,
„Alle
im Zug!“ und ließ sich erschöpft auf die Sitzbank fallen.
Schweiß
rann von seiner Stirn. Sobald eine Frau auf ihrem Platz ein wenig hin- und her
rutschte stieg sein Blutdruck in schwindelerregende Höhen. Bei jedem Rumpeln,
dass das gleichmäßige Rattern des Zuges aus dem Takt brachte und von den harten
Holzbänken ungedämpft auf die Reisenden übertragen wurde, schoss Kurt in die
Höhe. In seiner Vorstellung musste das heftige Schütteln auf den vielfach
ausgebesserten Schienensträngen bei den meisten der Frauen vorzeitige Wehen
auslösen. Weiter wagte er nicht zu denken.
An der ersten Station stieg eine Gruppe
junger Soldaten in den Zug und Kurt dünkte es, sie suchten zielstrebig den
Kontakt zur Weiblichkeit. Die ersten setzten sich bereits in die Nähe der
Frauen, deren reizende Erscheinung und einnehmendes Lächeln eine kurzweilige
Fahrt versprach, als die noch einen Platz suchenden in ihrer Bewegung inne
hielten und beklemmende Stille einkehrte, nur unterbrochen vom Klang der
Räder. Die Männer nickten sich zu,
vermieden es die Frauen anzusehen und murmelten verlegen einen Gruß und während
sie sich wieder der Tür zu wandten, durch die sie erst vor ein paar Minuten das
Abteil betraten, murmelte der mutigste von ihnen in Kurts Richtung,
„Wir sind im falschen Waggon!“ und
geschlossen verzichteten sie auf die Unterhaltung der Frauen. Das war zu viel
der Weiblichkeit.
Die
Soldaten fanden Kurts Verständnis. Angesichtes der geballten Ladung dicker
Bäuche und bebender Busen hätte er ohne zu zögern jede sich ihm bietende
Möglichkeit genutzt in ein anderes Abteil zu flüchten. Wie groß war schon sein
Unbehagen, wenn Hetti ihn aufforderte, seine Hand auf ihren Bauch zu legen,
damit er die Bewegung des Kindes spüren und seine täglich zunehmende Kraft
gewahren konnte.
Zwei Marinesoldaten betraten das Abteil,
sahen in den Augen der Frauen den Wunsch nach Ablenkung, setzten sich in ihre
Mitte und es dauerte nur eine kleine Weile, schon erzählten sie erheiternde
Vorkommnisse aus ihrem Soldatenleben. Kurt schüttelte unwillig den Kopf. So
vergnüglich konnte das Leben bei der Marine nicht sein! Da hatte er anderes
gehört. Aber die Frauen ließen sich von den Erzählungen der jungen Männer
beeindrucken und lachten mit ihnen, für den Augenblick von Sorgen befreit. Als
die Gruppe in Dortmund aus dem Zug stieg und auf den Anschlusszug wartete,
schienen sie wie ausgetauscht. Kurt kannte die Frauen kaum wieder, und hätte
nicht seine Unsicherheit und Verlegenheit und der dicke Kloß, der seit einigen
Tagen unverrückbar fest in seiner Kehle steckte, ihn daran gehindert, er hätte
in das gemeinsame Lachen eingestimmt, um den unbeschwerten Moment mit seiner
Frau zu teilen, statt skeptisch den Wahrheitsgehalt der Geschichten zu
hinterfragen und immer wieder unwillig seine Frau anzusehen, die von allen am
überschwänglichsten lachte.
Entsetzt vernahm Kurt das gehasste Signal der
Sirenen, die einen bevorstehenden Luftangriff ankündigten. Schon als er den
Auftrag erhielt, die Frauen zu begleiten, war ihm bewusste, dass dies nicht
ohne Störungen möglich sein würde. Und jetzt das! Ein Bombenalarm am frühen
Morgen! Gegen seinen Willen sprach er im Stillen den beiden Marinesoldaten, die
höchstens dreiundzwanzig, vierundzwanzig Jahre alt waren, seinen Respekt aus,
die Ruhe bewahrend die Frauen mit ihrem Gepäck in die unteren Stockwerke des
Bahnhofs geleiteten. Kaum hatten alle einen einigermaßen bequemen Platz
gefunden wurde weiter geschnattert und gelacht und als die Frauen erfuhren, die
jungen Männer würden im selben Zug weiterfahren wie sie, kannte der Jubel keine
Grenzen. Begeisterte Zustimmung fand Hettis Vorschlag sich mit dem Vornamen
anzureden und das Barrieren aufbauende „Sie“ gegen ein freundschaftliches „Du“
einzutauschen. Kurzerhand wurden die jungen Soldaten aufgefordert sich am
Austausch ihrer Lebensgeschichten zu beteiligen und die Reisegesellschaft erfuhr,..
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